Landstreicher für 5 Tage
Von der Idee...
Nach Bergtouren, Kanutouren und Höhlentouren stand der Wind nach etwas Neuem, etwas Anderem. Wie wäre es denn, einfach mal NUR zu Laufen? Doch wie bewegt man Jugendliche in der heutigen Konsumgesellschaft zum „einfach mal nur Laufen"?
...zu den Zielen...
- Spende an die Kartei der Not
- Neues Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen für elementare Bedürfnisse
- Üben der Unabhängigkeit von Konsummitteln
- Erfahren der eigenen physischen und psychischen Möglichkeiten und Grenzen in besonderen Belastungssituationen
- Erleben der Gruppe und der eigenen Person in der Gruppe in besonderen Belastungssituationen
- Freude und Spaß an einer mehrtägigen Unternehmung in einer Gruppe
- Erfahrung von Kultur- und Naturlandschaft
- Erleben des begangenen Wegs als Metapher für verschiedene Lebenswege
...zur Durchführung
Eine Gruppe von 13 Jugendlichen wanderte in fünf Tagesetappen zwischen 32 und 15 Kilometern insgesamt 105 Kilometer von Füssen lechabwärts auf dem Lechhöhenweg nach Klosterlechfeld, für die letzte Strecke nach Augsburg wurde der Zug genutzt. Die Schüler waren minimal ausgestattet, übernachteten auf Wiesen oder in Privatgärten. Die Verpflegung mussten sie mit einfachsten Mitteln selbst organisieren und Mahlzeiten unter archaischen Bedingungen selbst herstellen. Die Fachkräfte stellten den Kindern und Jugendlichen jeden Tag erlebnispädagogische Aufgaben, die sie - während ihrer Wanderung oder im Anschluss an die Tagesetappe - zu bewältigen hatten, meist im Zusammenhang mit lebenspraktischen Erfordernissen. So sollten die Jugendlichen mit einem kleinen Geldbetrag zwei Tage lang selbstständig und kooperativ für die Verpflegung der Gruppe sorgen. Eine weitere Aufgabe stellte sich den Jugendlichen, als sie - auf sich gestellt - eine Tagesetappe nur mit Karte und Kompass und einer vagen Wegbeschreibung meistern mussten.
Jeder Schüler wurde von einem Unternehmen aus Augsburg oder Umgebung gesponsert, das für jeden seiner Schritte oder jeden gegangenen Kilometer einen gewissen Betrag zahlte. Die gemeinsam „erlaufene Summe" von über 1400€ wurde der Kartei der Not zur Unterstützung von in Not geratenen Familien gespendet.
Wir haben eine unglaubliche Tour, eher Tortour gemacht und jeder der mit Gepäck einmal 10km gelaufen ist kann das verstehen. Jetzt ist es ja nicht so, dass wir hier nur die Sportskanonen dabei gehabt hätten, ganz im Gegenteil! Es waren eigentlich eher die ganz normalen Jugendlichen und Autofahrer wir Du und Ich. Wir haben unser Ziel jeden Tag und nach insgesamt 5 Tagen erreicht, wir sind stolz auf unsere Jugendlichen und auf uns insgesamt!
Einer war dabei, der
sagte selten etwas und lief still vor sich hin, da kam kein Murren oder sonst
etwas. Zum Abschied sagten wir ihm, dass wir sehr stolz darauf sind, wie er die
Tour durchgehalten hat und er meinte nur ganz lässig: „Naja, ich hab
mich halt einfach mal gehen lassen...!" Vielen Dank Michael!
Einer war dabei, von dem hörten wir sehr häufig ein
„Boah ich hab keinen Bock mehr, verdammt tut mir alles weh, oh was für
ein Scheiß ist das hier eigentlich". Meist war er der Letzte: Beim Laufen,
beim Zubettgehen, vor allem aber beim Aufstehen, es sei denn, er schlief auf
Ehe-Biertischen. Unser Gesprächstherapeut vom Schneiderkreis, vielen Dank
Lukas!
Eine war dabei, die
hatte die ausgelatschtesten Schuhe, die wir je gesehen haben, dabei aber immer
gute Laune. Sie war unsere Lagerfee und hätte nebenzu noch drei andere
Zeltlager organisieren können wenn es hätte sein müssen. Es war
wirklich „mega unärrrrodisch". Vielen Dank Sabrina!
Einer war dabei, der lief cool und langsam vor sich hin und musste
dauernd erzählen, dass er nicht mehr kann. Gleich am ersten Tag hat er die
Erfahrung gesunder Lebenseinstellung gemacht und dabei die meisten Schritte auf
der ganzen Tour zu Stande gebracht. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass er bereits
in Gundremmingen gelandet war, als ihm Kernkraftwerke im Wege standen. Wir sagen
nur W.E. und sauer.... Vielen Dank „Dave" Manuel!
Mädels
und Schuhwerk sind ein Thema für sich! Eine war dabei, auch sie eine kleine
Haushaltsfee die immer sehr um das Wohl Anderer besorgt war und vor allem uns
stets mit Kaffee versorgte. Sie hatte einen mords Antrieb für alle und sieht
Zecken auf zwei Kilometer Entfernung.... Vielen Dank Anja!
Eine war dabei, die zeigen musste, dass ihr Spitzname „Motzi" nicht rechtmäßig ist. Dafür konnte man auf Grund ihres Sonar-Ortungssystems immer sicher sein, sie nicht verloren zu haben. Gott sei Dank behielt sie auch die Zügel unserer Kutsche in der Hand, zumindest wenn es um das Beladen ging. Vielen Dank unserem Stauwunder Kerstin!
Einer war dabei, unser
Survival-Man der 1. Klasse, hatte alles dabei, alles im Griff und trabte selbst
durch unwegsamstes Gelände. Dabei konnte er Lieder singen, die wir an dieser
Stelle lieber nicht wiederholen wollen. Mit ihm würden wir uns drei Wochen
in der Wüste aussetzen lassen und hätten keine Angst.... unser Chief
Sergeant Jimbo, vielen Dank Daniel!
Eine war dabei, die schon am Ankunftstag mit neuester
Ausrüstung glänzte uns sich wirklich gut vorbereitet hatte. Die erste
Nacht schlug sie sich gleich mal um die Ohren und hielt durch. Es war eine harte
Tour für sie und die größte persönliche Herausforderung...
aber im Takt der Stöcke kann man alles schaffen! Vielen Dank Lisa!
Einer war dabei, unser Einsatzmann im Krisengebiet, die beste
Ausrüstung für wirkliche Gefahr und mitten aus der Kampfzone - er
wäre unsere Rettung gewesen wenn es gefährlich geworden wäre und
forderte das Panzerbataillon schon an, wenn Autos zu schnell über
Brücken fuhren. Im Weilheimer Gebiet wurde er von Fallschirmjägern
gesucht, wahrscheinlich weil er wusste, wie man mit Fröschen umgeht. Er
erfand tolle Lieder und wir hatten Bauchschmerzen vor Lachen mit ihm. Vielen Dank
Maximilian!
Eine war dabei, die war ganz still und das verwundert umso mehr,
wenn man einmal ihre Füße bewundern durfte. Keine Klage kam von dieser
Seite und sie lief langsam weiter - dafür hat sie morgens die meisten
Spüldienste der ganzen Gruppe geleistet. Vielen Dank Tamara!
Einer war dabei, der
war ein Riesenschussel, aber er weiß das auch. Vor allem am Mittwoch ist er
bestimmt den doppelten Weg gelaufen und schoss Sprüche in einer
Geschwindigkeit ab, dass man sich nicht mehr halten konnte. Sehr erfahren in
Freizeiten schlägt er die Natur mit ihren eigenen Waffen und betitelt sich
mangels Essen als Super-Pommes. Juuuuch... Vielen Dank Fabian!
Einer war dabei
- und das nicht freiwillig. Er wurde von uns gezwungen und konnte sich nicht
wehren. Dabei machte er die Erfahrung, dass alles ganz schrecklich ist, er sehr
viel schimpfen muss, er irgendjemanden erschlagen muss, dass Weilheimer nicht
winken und er gut auf dem Bus turnen kann. Vielen Dank Daniel unser Hortkind!
Eine war dabei, die
wurde schon am zweiten Morgen von uns zum Chef des Lagers ernannt. Nie verlor sie
den Überblick, und wenn doch, nahm sie einfach ihren Blindenhund zur Hilfe.
Oder war es doch ihr Schlittenhund Flipsi (Fabian mag keine Chips), der ihr half,
über unwegsames Gelände hinweg zu kommen? Vielen Dank Michaela!
Last but not least - mein super Team!
Eine Frau wie ein Baum in der Wüste, der Trotz Hitze und
Trockenheit nie die Hoffnung verliert, doch noch Wasser zu finden. Und wenn das
nicht einfach dann mit systhemischer Gewalt. Sie verdient den ersten Preis wenn
es darum geht, Schmerzen ausgehend vom kleinen Zeh über die Waden bis hin
zur Wirbelsäule so anschaulich zu beschreiben, dass es einem selbst weh
tut... Vielen vielen Dank Iris!
Ein Mann mit Nerven
wie Drahtseile, die wir auch alle sehen konnten, der Mülleimer für die
gesamte Gruppe, der sich immer um unser Wohl gekümmert hat. Wahnsinnig viel
Ballast hat er auf sich genommen, unser Motivator, unser Gute-Laune-Bär, der
Mann, der mit dem heißen Reißverschluss tanzt, der Mann mit
Links-Rechts-Legasthenie und Nord-Süd-Dyskalkulie. Vielen vielen Dank,
Martin!
Vielleicht folgt hier ja noch demnächst mal ein Erlebnisbericht von Teilnehmern, viele wollten einen schreiben, keiner hatte bisher die Zeit, dies auch zu tun....
